Sissy Scham: Bist du wirklich falsch, oder hat man es dir nur eingeredet?
Sissy Scham entsteht nicht aus deiner Fantasie, sie wird dir anerzogen. Die Sehnsucht, dich in Damenkleidung zu verwandeln und deine weibliche Seite zu leben, ist keine Perversion und kein Defekt. Sie ist eine tief psychologische Ausdrucksform, oft mit Schutzfunktion. Falsch fühlst du dich, weil dir irgendwann jemand gesagt hat, du seist es.
Du liegst nachts wach und fragst dich, ob mit dir etwas nicht stimmt. Du spürst diese Sehnsucht, dich zu verwandeln, schön zu sein, weich zu sein, und gleichzeitig hämmert diese Stimme in dir: Das ist abartig. Ich kenne diese Stimme. Ich höre sie in fast jeder Beratung.
Viele devote Männer kommen zu mir und stellen dieselbe Frage: Bin ich pervers, weil ich das fühle? Und meine Antwort ist unbequem einfach. Nein. Du bist nicht falsch. Du hast nur gelernt, dich falsch zu fühlen.
Woher die Sissy Scham wirklich kommt
Mit diesem Gefühl wird niemand geboren. Kein Kind kommt auf die Welt und denkt, ich bin falsch. Dieses Urteil wird von außen in dich hineingelegt, meistens früh, meistens von Menschen, die es angeblich gut meinten.
Letzte Woche saß ein Klient vor mir, Mitte fünfzig, erfolgreich, und erzählte mir zum ersten Mal in seinem Leben eine Szene, die er dreißig Jahre in sich getragen hatte. Seine Mutter hatte ihn mit acht oder neun in den Kleidern seiner Schwester erwischt und ihn furchtbar dafür ausgeschimpft. Das ist pervers, das macht man nicht. In diesem Moment war die Sissy Scham geboren. Interessant ist: Sie hat ihn nicht davon abgehalten, sie hat das Verlangen sogar verstärkt. So arbeitet Scham. Sie unterdrückt nichts, sie treibt es in den Untergrund und lädt es dort mit noch mehr Spannung auf.

Warum die Verwandlung mehr ist als ein sexuelles Spiel
Es gibt einen Unterschied, den kaum jemand erklärt. Der Damenwäscheträger mag das Gefühl des Stoffes auf der Haut, das reine Empfinden. Die Sissy geht darüber hinaus. Hier geht es um die Verwandlung zur Frau, so vollständig, dass man dich auf der Straße nicht mehr als Mann erkennen würde.
Und genau hier liegt der Denkfehler, den du vielleicht machst. Du hältst das für ein rein sexuelles Thema. Oft ist es viel mehr. Für viele Männer ist die Sissy eine zweite Identität, ein Spiegel zum alltäglichen Männlichen, ein Ausgleich dafür, immer funktionieren zu müssen. Es ist der einzige Ort, an dem du deine Gefühle zeigen darfst, an dem du schön sein darfst, an dem du ein Stück weit du selbst bist. Wer das als Perversion abtut, hat nichts verstanden. Wie tief diese Sehnsucht wirklich reicht, habe ich in meinem Text über die Wahrheit hinter der Sehnsucht nach Feminisierung ausführlicher beschrieben.

Sissy Scham und die Angst vor der Transidentität
Wenn du in Foren liest, findest du eine große Angst wieder, die viele umtreibt. Steckt dahinter vielleicht eine Transidentität? Will ich eigentlich lieber eine Frau sein? Das ist eine berechtigte Frage, und sie verdient eine klare Antwort statt Panik.
In der Beratung sehe ich drei große Richtungen, und es hilft ungemein, sie zu unterscheiden:
- Der Damenwäscheträger, dem es um das körperliche Gefühl geht, um Stoff, Textur, Nähe.
- Die Sissy, für die die Verwandlung ein erotisches und identitätsstiftendes Thema ist, das aber im Rahmen ihrer männlichen Existenz bleibt.
- Die Transidentität, bei der es nicht ums Spiel geht, sondern um das durchgängige, tiefe Empfinden, im falschen Körper zu leben.
Für die allermeisten Sissys hat das Ganze nichts mit Transsexualität zu tun. Es ist ein erotisches und emotionales Verlangen, keine Frage der Geschlechtsidentität. Die Wissenschaft stützt das übrigens: Die große Bevölkerungsstudie von Långström und Zucker (2005) zum transvestitischen Fetischismus zeigt, dass dieses Erleben verbreitet und keineswegs pathologisch ist.

Du bist nicht der Einzige, nicht annähernd
Lass mich dir eine Zahl geben, die viel mit deiner Scham macht. Wenn du dir auf einschlägigen Seiten die Kategorien anschaust, steht Sissy fast immer ganz weit oben, hunderttausende Videos, eine ganze Industrie. Um etwas so Randständiges kümmert sich keine Industrie.
Bei mir bewerben sich jeden Monat über tausend Menschen. Der Sissy-Anteil macht davon ungefähr dreißig bis vierzig Prozent aus. Rechne dir das einmal hoch. Deine vermeintliche Einzigartigkeit im Leiden ist in Wahrheit eine der häufigsten Sehnsüchte, die mir begegnen. Was dich isoliert, ist nicht die Fantasie, sondern das Schweigen. Genau darüber, wie das Schweigen zur eigentlichen Last wird, habe ich in meinem Beitrag über den Leidensdruck, wenn das Verlangen keine Pause kennt, geschrieben.

Was passiert, wenn du das erste Mal wirklich darüber sprichst?
Viele erleben in meiner Betreuung zum ersten Mal, dass sie frei reden können. Nicht mit der Partnerin, nicht mit dem Hausarzt, nicht einmal mit dem eigenen Therapeuten, obwohl der es eigentlich wissen sollte. Jahrzehnte Schweigen, und dann dieser eine Moment, in dem endlich Licht in die Sache kommt. Scham lebt vom Dunkel. Sie verliert ihre Macht, sobald du sie aussprichst, das ist keine Esoterik, sondern gut belegte Psychologie der Scham.
Wenn du dieses Ich bin falsch endlich anschauen und bearbeiten willst, statt es weiter nachts allein mit dir auszutragen, dann fang genau da an. In Penelope’s Reich gibt es eine kostenlose, siebentägige Reise speziell für Sissys, in der wir uns dieses Scham-Thema in Ruhe ansehen. Kostenlos, ohne dass du dich vor irgendjemandem rechtfertigen musst, unter www.penelopes-reich.de. Nicht weil du repariert werden müsstest, sondern weil du das Recht hast, dich selbst endlich zu verstehen.

Haeufige Fragen
Was ist Sissy Scham eigentlich?
Sissy Scham ist das Gefühl, mit deiner Sehnsucht nach Weiblichkeit, Weichheit und Verwandlung irgendwie falsch oder abartig zu sein. Es ist kein angeborenes Empfinden. Mit diesem Urteil wird niemand geboren, es wird von außen in dich hineingelegt, meistens früh und meistens von Menschen, die es angeblich gut meinten.
Bin ich pervers, weil ich mich als Sissy verwandeln möchte?
Nein. Die Sehnsucht, dich in Damenkleidung zu verwandeln und deine weibliche Seite zu leben, ist keine Perversion und kein Defekt. Sie ist eine Ausdrucksform, oft mit einer psychologischen Schutzfunktion. Falsch fühlst du dich nur, weil dir irgendwann jemand gesagt hat, du seist es.
Woher kommt das Schamgefühl bei Sissys wirklich?
Die Scham entsteht nicht aus deiner Fantasie, sie wird dir anerzogen. Kein Kind kommt auf die Welt und denkt, ich bin falsch. Dieses Urteil wird von außen in dich hineingelegt, durch Sätze, Blicke und Reaktionen aus deiner Kindheit und Jugend. Die Fantasie ist deine, die Scham gehört den anderen.
Kann ich die Sissy Scham wieder loswerden?
Ja. Was anerzogen wurde, kann auch wieder verlernt werden. In der Beratung erlebe ich oft, dass Männer aufatmen, sobald sie verstehen, dass nicht ihre Sehnsucht das Problem ist, sondern die fremde Stimme, die sie verurteilt. Der erste Schritt ist, diese Stimme von deinem eigentlichen Empfinden zu trennen.
